Nach der musikalischen Begrüßung durch Kinder und Jugendliche der Gemeinde auf der Freitreppe lenkte der Apostel in seiner Predigt die Gedanken zunächst auf das Gedenken an die Entschlafenen. Niemand soll vergessen werden. Der Blick richtete sich auf Leid, Not, die Unwissenheit vieler Menschen über Gottes Gnadenangebote sowie auf seine Vergebungsbereitschaft gegenüber Sünde, Schuld und Fehlern. Besonders bewusst wird dies angesichts längst aus dem öffentlichen Blick geratener Regionen der Welt, denen die Aufmerksamkeit der Nachrichten kaum noch gilt. Die Dimension göttlicher Gnade und Liebe kennt weder regionale noch zeitliche Grenzen.
Der Apostel erinnerte daran, dass wir Menschen Fehler machen. Besonders schmerzlich sind jene, die sich nicht mehr korrigieren lassen. Dies verdeutlichte er anhand verschiedener Beispiele. Es steht uns jedoch nicht zu, darüber zu urteilen. Gott hilft, aus Fehlern zu lernen, kann selbst schwierige Situationen in gute Bahnen lenken und neue Wege eröffnen. Dieses Gnadenangebot gilt sowohl den Lebenden als auch den Heimgegangenen.
Im Mittelpunkt der Predigt stand der 130. Psalm, auch als Bußpsalm bekannt. Dort heißt es im 7. Vers: „Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.“ Als Gemeinde beten wir darum, dass die Engelsboten Gottes die Gnadenangebote zu den Entschlafenen tragen und sie zum Altar geleiten, an dem sie die Sakramente empfangen können – so, wie es bereits aus den ersten christlichen Gemeinden überliefert ist. Auch wir dürfen Wegbegleiter sein – auf dem Weg, den Jesus Christus durch seinen Opfertod eröffnet hat.
In seiner Predigtzugabe erinnerte Gemeindevorsteher Jürgen Gerisch, der in diesem Gottesdienst in den Ruhestand trat, an verschiedene Vorfahren, die die Gemeinde Jößnitz nachhaltig geprägt haben. Zudem wurden zwei weitere Diakone in den Ruhestand verabschiedet. Jürgen Gerisch brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die drei Mütter der neuen Ruheständler, die alle im vergangenen Jahr heimgegangen sind, heute gegenwärtig seien. Damit schlug er eine Brücke vom Gottesdienst für die Entschlafenen zu den anschließenden Amtshandlungen des Apostels. Mit drei kurzen Sätzen endete sein letztes Dienen am Altar: „Danke, lieber Gott. Danke, liebe Familie. Danke, liebe Gemeinde.“
Sakrament Heilige Versiegelung
Nach der Sündenvergebung rief der Apostel die Eltern mit ihrem Sohn Bruno an den Altar. Durch Handauflegung empfing Bruno den Heiligen Geist und damit das Sakrament der Heiligen Versiegelung. Sein Ururgroßvater hatte bereits in den 1950er-Jahren maßgeblich am Bau des Kirchengebäudes mitgewirkt – auch darin zeigte sich eine Verbindung zu den Heimgegangenen.
Inruhesetzungen
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls mit der gesamten Gemeinde verabschiedete der Apostel den Gemeindevorsteher, Evangelist Jürgen Gerisch, sowie die beiden Diakone Gunter Bloszies und Frank Müller mit sehr wertschätzenden Worten in den wohlverdienten Ruhestand.
Jürgen Gerisch diente 42 Jahre in verschiedenen Amtsstufen der Kirche, davon 21 Jahre als Gemeindevorsteher in Jößnitz. Unvergessen bleibt sein Wirken als musikalischer Leiter des Zentralchores und Zentralorchesters Sachsen/Thüringen, mit dem er zahlreiche eindrucksvolle Konzerterlebnisse schuf. Als langjähriger Mitarbeiter der Verwaltung der Gebietskirche Nord- und Ostdeutschland sowie in den Vorgängerstrukturen prägte er das musikalische Leben aller Gemeinden nachhaltig. Seit 2001 wirkte er außerdem in der Arbeitsgruppe Musik der Neuapostolischen Kirche International mit. Sein Name findet sich unter mehreren Liedern des Neuapostolischen Gesangbuches sowie in der Chorliteratur, die bis heute in den Gottesdiensten Verwendung finden. Der Apostel dankte ihm für seinen umfassenden Dienst, den er stets mit Demut, Tiefgang und großer Verantwortung ausgeführt habe.
Frank Müller zeichnete sich während seiner 28-jährigen Amtstätigkeit besonders als zuverlässiger „Praktiker“ für die Gemeinde aus. Mit seinen fachlichen und handwerklichen Fähigkeiten setzte er sich uneigennützig und engagiert für das Wohl der Gemeinde ein. Auch ihm sprach der Apostel seinen herzlichen Dank aus.
Gunter Bloszies diente 34 Jahre lang als Diakon. Über viele Jahre leitete er den Gemeindechor. Der Apostel würdigte insbesondere, dass er seine musikalischen und persönlichen Gaben in den Dienst der Gemeinde stellte und damit zahlreiche eindrucksvolle Momente im Gemeindeleben mitgestaltete.
Mit einem herzlichen Händedruck verabschiedete der Apostel die drei Amtsträger in den Ruhestand und bat sie zugleich, der Gemeinde auch weiterhin verbunden zu sein, für ihre neue Leitung zu beten und sie nach Kräften zu unterstützen. Die Gemeinde sowie Bezirksvorsteher Karsten Treiber dankten den Ruheständlern mit kleinen Präsenten und anerkennenden Worten für ihren langjährigen Dienst.
Novum in der Gemeindeleitung
Für die Gemeinde Jößnitz beauftragte der Apostel erstmals eine Gemeindevorsteherin. Der bisherigen Stellvertreterin des scheidenden Gemeindevorstehers, Priesterin Anke Zimmermann, sprach er Zuversicht und Mut für ihre neue Aufgabe zu. Schritt für Schritt solle sie in ihre Verantwortung hineinwachsen. Nachdem sie mit einem „Ja“ den Auftrag angenommen hatte, empfing sie den Segen Gottes und die Zusicherung, dass Gott sie und ihre Familie auf diesem Weg begleiten werde. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen und ihren Aufgaben in der Familie bedeutet die Leitung der Gemeinde eine besondere Herausforderung. Zugleich kann die Gemeinde selbst wesentlich dazu beitragen, ihr das Hineinwachsen in diese verantwortungsvolle Aufgabe zu erleichtern.
Im Anschluss an den Gottesdienst kamen die Gemeinde und die eingeladenen Gäste bei einem gemeinsamen Imbiss in froher Gemeinschaft zusammen.
Neuapostolische Kirche